Total geheimes Profigeheimnis: Tierheilpraktikerinnen mögen ihre Hände!

Klingt komisch? Ist aber so. Ich habe mich sehr an meine Hände gewöhnt und würde diese gerne behalten. Viele Arbeiten gestalten sich mit Händen gleich um ein Vielfaches einfacher, und die Tortellini Panna e Prosciutto beim Lieblingsitaliener essen sich mit Händen nun mal leichter als ohne (und schmecken auch definitiv besser als aus der Schnabeltasse).


Umso kurioser die Reaktion einer Patientenbesitzerin, die mich kürzlich am Telefon um einen Termin bat zum Krallenschneiden bei ihrem Hund. Man habe die Krallen zum letzten Mal vor zwei Jahren beim Tierarzt schneiden lassen. Aber das wäre für ihren Schatz viel zu stressig, denn dort müsse er immer einen Maulkorb aufsetzen. Einen vom Tierarzt, denn einen eigenen habe man nicht. Schließlich sei ihr Schatz kein böser Hund, er würde nur nicht gerne von fremden Menschen angefasst. Dann würde er schnappen, und zugebissen habe er in einer solchen Situation auch schon mal. Aber nur ein bisschen. Schließlich musste er sich ja verteidigen. Beim Tierarzt müsse ihr Schatz zusätzlich auch immer von zwei Helferinnen festgehalten werden, hinterher sei er dann völlig durch den Wind. Und das wäre wirklich nicht schön. Die Krallen selbst zu schneiden habe man noch nicht versucht, schließlich signalisiere ihr der Schatz recht schnell, dass er das nicht gerne habe, und dann ließe man es eben sein. Der Schatz solle ja nicht zu etwas gezwungen werden, er wäre ja nun auch schon 5 Jahre alt. Und um ihm den Stress beim Tierarzt zu ersparen hätte man sich jetzt zum Besuch bei einer Tierheilpraktikerin entschieden.


Um sicher zu gehen, dass ich die Patientenbesitzerin richtig verstanden hatte, bat ich sie nochmals um eine kurze Beschreibung dessen, was sie denn nun von mir erwartete. Klartext: Ich sollte einem Hund, der sich nicht von Fremden anfassen lässt, und der in diesem Kontext auch schon einmal gebissen hatte, der keinen Maulkorb kennt und beim Tierarzt von zwei Helferinnen fixiert werden muss, die Krallen schneiden. Alleine. Ohne Maulkorb. Ich schwankte. Zwischen Entsetzen, Fassungslosigkeit und irrem Gelächter.


Und da ich befürchtete, dass alles, was ich im Anschluss sagen würde, nichts mit nett oder höflich zu tun haben würde, gab´s nur noch den freundlichen Einwand meinerseits, dass ich in solchen Fällen immer recht schnell mein Betäubungsgewehr aus dem Schrank hole. Stille am anderen Ende der Leitung, dann wurde die Verbindung unterbrochen. Halleluja!


Jetzt mal abgesehen von der völlig kruden Vorstellung, die manche Hundehalter offenbar von ihren Tieren haben: ein Maulkorb ist für den Hund überhaupt nichts Schlimmes! Viele Halter tun sich schwer damit, weil sie denken, sie tun ihrem Hund damit etwas an. Doch das stimmt nicht. Und für den (hoffentlich) kurzen Besuch beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker ist es völlig ausreichend, wenn der Maulkorb nicht in die Augen rutscht, an den Seiten nicht schmerzhaft drückt, wenn das Maul zumindest leicht zum Hecheln geöffnet werden kann, und wenn der Maulkorb vor allem NICHT RUNTER GEHT!


In diesem Sinne: Safety first! Das gilt für Tierärzte genauso wie für Tierheilpraktiker.


(Bild: Collies, ohne Maulkorb, weil lieb)